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Coronavirus & Versicherungsschutz

Aktualisiert: Mai 5


Pressemeldungen und Schreckenszahlen überschlagen sich, Behörden versuchen zu beruhigen und die Pharmaindustrie arbeitet fieberhaft an Impfstoffen.


Der Coronavirus ist mittlerweile bei uns angekommen: Messen, Tagungen und Kongresse werden ersatzlos storniert; Reisegruppen sagen Buchungen ab; Beschäftigte werden mangels Gäste in den Zwangsurlaub geschickt. Hotellerie und Gastronomie sind von immensen Umsatzrückgängen betroffen.


Es wundert daher nicht, dass uns in den letzten Wochen verstärkt Anfragen zum Versicherungsschutz erreichen.


In der klassischen Betriebsunterbrechungsversicherung sind häufig nur die Bausteine Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel etc. versichert, in hochwertigeren Policen auch mal unbenannte Gefahren oder Allrisk. Voraussetzung für Versicherungsschutz ist jedoch immer ein versicherter Sachschaden am Versicherungsort, also bei Ihnen im Hotel oder im Rahmen von Höchstentschädigungen manchmal auch bei Zulieferern, Versorgern oder Abnehmern. Beim Coronavirus liegt aber definitiv kein Sachschaden vor – außerdem ist uns kein Vertragswerk bekannt, das Krankheiten und Seuchen zu den versicherten Schadensereignissen zählt. Gleiches gilt übrigens für andere überregionale Szenarien, wie z.B. Krieg oder kriegsähnliche Ereignisse, Kernenergie – auch Ausschlüsse für Sturmflut und Terror sind Standard. Viele erinnern sich noch an den Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull der 2010 auch zu massiven Einschränkungen im weltweiten Flugverkehr führte. Auch damalige Diskussionen um Versicherungsschutz führten ins leere.


In der Betriebsschließungsversicherung aufgrund Infektionsgefahren ist die behördliche Anordnung Voraussetzung für den Leistungsanspruch – vorausgesetzt Coronaerkrankungen werden im Vertragswerk überhaupt ausdrücklich genannt. Der Coronavirus wurde nämlich erst am 1.1.20 dem IfSG als Meldepflichtige Erkrankung hinzugefügt. Bei Beschäftigungsverboten für Mitarbeiter werden dann gegebenenfalls auch die Lohnkosten ersetzt. Versichert ist üblicherweise der nachgewiesene Betriebsausfall, höchstens die vereinbarte Versicherungssumme (häufig max. 30 Tagesentschädigungen); Ermittlungs-, Beobachtungs-, Kontroll- und Desinfektionskosten sowie Warenschäden werden im Rahmen einer Höchstentschädigung üblicherweise zusätzlich entschädigt.


Wie sieht es mit den Reise-Stornoversicherungen Ihrer Gäste aus? In allen uns bekannten Policen ist weder der Ausbruch einer Epidemie (stark gehäufte, örtlich und zeitlich begrenzte Vorkommen einer Erkrankung) noch einer Pandemie (Erkrankung über Länder und Kontinente hinweg) versichert, solange der Reisende (oder je nach Vertragswerk ein Mitreisender oder enger Verwandter der direkten Reisegruppe) nicht selbst von dieser Erkrankung betroffen ist. Reiseabbruch aufgrund von Angst oder behördlichen Reisewarnungen /-verboten ist damit nicht versichert.


Unterm Strich ist es damit um Versicherungslösungen für globale Szenarien schlecht bestellt – letztlich ist die beste Police wertlos, wenn im Schadensfall die finanziellen Ressourcen fehlen.


Links zum Thema:


Corona-Verbreitung Deutschlandkarte

https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4


Corona-Verbreitung Weltkarte

https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html?fbclid=IwAR3gEXzS-4FSvdW55S_OLI0LkQNiJ_aWXCJMgCKYcLrj0pF8_PTT6l2WQRE#

/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6


Bundesministerium für Gesundheit https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus.html


Robert-Koch-Institut (Häufige Fragen)

https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste.html


Gesetzestext Infektionsschutzgesetz

http://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/index.html

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